Wir bilden
Erzieherinnen & Erzieher aus.
Bewerben Sie sich jetzt!

Tag der offen Tür

Wirst Du noch belehrt oder lernst Du schon selbst?

Unter diesem Motto laden wir Sie herzliche ein, zum Tag der offenen Tür:

am Freitag, den 8.Dezember 2017 von 14:30 – 17:00 Uhr

Entdecken Sie …

… unser neues Gebäude

… unser Profil

… unser Konzept

… unsere Geschichte

Das Team und die Studierenden der Fachschule freuen sich auf Ihr Kommen!

Herzlich Willkommen!

Wir bewegen viel in der neuen Schule!

Schön, dass Sie auf unsere Seite gefunden haben. Hier finden Sie Informationen über unsere Schule.

Ab dem Schuljahr 2017/ 2018 bilden wir Erzieherinnen und Erzieher an unserem neuen Standort in Lahr aus.

Erfahren Sie mehr über

  • unsere Geschichte
  • unser Leitbild
  • und die Menschen, die in dieser Schule arbeiten.

29.3.2017

Aus der Praxis in den Unterricht:

Momentan besteht die Gruppe aus 8 jungen Männern zwischen geschätzt 17 und 19 Jahren, die aufgrund ihrer Erfahrungen als traumatisiert gelten und in eine reguläre Wohngruppe nicht eingliederbar wären. Sie stammen aus Afghanistan, Gambia, Albanien, Somalia und Eritrea, also aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen.

Ziel der Arbeit ist zunächst einmal, den Jugendlichen dabei zu helfen, ihren Alltag zu bewältigen und sie zu stabilisieren. Das bedeutet ganz essentiell zunächst einmal, für ein ordentliches Auftreten in der Öffentlichkeit zu sorgen, zu lernen, sich auszudrücken und sich behutsam anderen Menschen gegenüber öffnen zu können. Daneben ist ein weiteres wichtiges Ziel, die deutsche Sprache zu vermitteln und anzuwenden und eine Schulteilnahme zu ermöglichen, auch wenn dies häufig auf große Widerstände stößt.

Für die Betreuung sind 6 hauptamtliche Erzieherinnen und Erzieher, eine Verwaltungskraft, eine Reinigungskraft, ein Psychotherapeut, sowie zwei Praktikanten zuständig. Nach Aussage von Stephan Schwahl fordert die Arbeit den ganzen Menschen und ist sehr anspruchsvoll. Ein offenes Sich-Einlassen auf diese Menschen und das Verständnis für ihre Situation sind unabdingbar, auch wenn wenig Wertschätzung und Dankbarkeit zurückkommt. Häufig müssen Kämpfe um Regelungen, Absprachen, religiöse Ansichten oder Praktiken hart ausgefochten werden.

Viele Gegebenheiten können sich Außenstehende nur schwer vorstellen. Die Jugendlichen empfinden sich nicht als Gruppe sondern als Zweck- wenn nicht gar als Zwangsgemeinschaft. Sie können das Anderssein der anderen nur schlecht akzeptieren. Die Jugendlichen können nicht verstehen, dass sie kein Geld verdienen dürfen. Die Schule wird als überflüssig erachtet. Die kulturellen Unterschiede bilden häufig eine Kluft.

Die Verständigung mit den Erziehenden läuft auf der Basis von Mimik und Gestik, einfachen deutschen Sätzen, bisweilen auch auf Englisch. Häufig leistet ein Handy-Übersetzer wertvolle Dienste. Untereinander wird arabisch (die meisten haben Koran-Erfahrung), ein deutsch-arabischer Misch-Masch und Jugendsprache gesprochen. Manchmal führt bereits die unterschiedliche Sprachmelodie und Lautstärke der für unsere Ohren sehr fremden Sprachen zu Missverständnissen. So kann eine eigentlich harmlose Unterhaltung schnell als handfester Streit interpretiert werden, da Sprachmelodie und Lautstärke beim Sprechen so anders sind.

Die jungen Flüchtlinge sind vielfältig in die Vergangenheit, sowie in gegenwärtige Strukturen und Spannungsgeflechten verwoben. Hinzu kommt eine ungewisse Zukunft. Dies hat Stephan Schwahl für die Studierenden an der Tafel verdeutlicht: Ausgangspunkt der Betrachtung ist der minderjährige Flüchtling. Die Last der Vergangenheit wiegt schwer. Der Jugendliche hat Kontakt nach Hause, meist über das Telefon. Von dort bekommt er Druck, Geld zu schicken. Die Familie ihrerseits steht unter dem Druck der Sippe, die gemeinsam das Geld für die Flucht aufgetrieben hat und nun eine Gegenleistung erwartet. Das Leben in der Heimat war in der Regel schon schwierig, sodass die Jugendlichen sich defizitär entwickelt haben und sozial auffällig sind. Hinzu kommt nun die Flucht als ein traumatisierendes Erlebnis. In der Wohngruppe sieht sich der Jugendliche den Forderungen der Erzieher ausgesetzt. Diese stehen unter der Beobachtung des Jugendamtes, das mit dem Jugendlichen ganz bestimmte Ziele verfolgt. Eine weitere Person um den Flüchtling ist der Vormund, der ebenfalls Ziele verfolgt. Über dem Flüchtling hängt das Damoklesschwert „Asylverfahren“, welches Angst und Unsicherheit bedeutet, sowie die Frage nach der Zukunft. Wird der Flüchtling abgeschoben, erwartet ihn Gefahr für Leib und Leben. Angestrebt wird eine sogenannte Ausbildungsduldung, mithilfe der er für die Dauer einer Ausbildung ein gesichertes Bleiberecht hat. Mit einer Ausbildung in der Tasche kehrt der junge Mensch dann, so hofft man, mit günstigeren Ausgangsvoraussetzungen in die Heimat zurück und hat eine realere Chance auf eine bessere Zukunft.

Das Gefühl, etwas wichtiges und sinnvolles zu tun, die Neugier auf den Umgang mit dem Fremden, sowie die Chance, ein völlig neues Arbeitsfeld kennenzulernen und Konzepte dafür zu entwickeln, geben Stephan Schwahl die Kraft für seinen anspruchsvollen Arbeitsalltag mit immer neuen und unvorhersehbaren Herausforderungen, und das ist es, was ihn gleichzeitig an seiner Arbeit reizt.

Mit anerkennendem Applaus verabschiedete der Oberkurs den Referenten. Dozentin Britta Schrape dankte ihm für den lebendigen, eindrücklichen Vortrag.

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